Das Effektkino wird von James Cameron in regelmässigen Abständen immer wieder neu erfunden. Seit "Terminator" legt er über Jahrzehnte die Latte immer ein wenig höher. Die innovative Ambition des Kanadiers ist schon beeindruckend (und gemäss Vorfilm hat er nun auch noch ein 3D-Konzert mit Billie Eilish mit nie dagewesener Technik aufgenommen). Diese Erwartungen werden auch mit Avatar Nr. 3 durchaus bedient – es ist ein Spektakel ohnegleichen. Man spürt in jeder Pore, dass Cameron nichts weniger als die Grenzen des Kinos neu definieren will. Die Story ist aber – wie bereits meine Vorredner treffend bemerkten – "same same", mehr vom Gleichen. Da Avatar 3 "Fire And Ash" zusammen mit Avatar 2 parallel abgedreht wurde, sind beide Teile natürlich inhaltlich nah und die Weiterentwicklung gering. Aber man taucht gerne und wiederum fasziniert ein in den Fantasy-Kosmos auf Pandora, mit all den Allianzen und Eywa-Ritualen und natürlich einem Action-Overkill, oft redundant, aber es könnte eigentlich immer so weitergehen.
Nur 40% des Films sind Live-Action, der Rest ist CGI – und übertüncht gekonnt inhaltliche Schwächen. Die Spiritualität und die Beziehungen im Na'vi-Universum werden aber durchaus ausgebaut, selbst wenn es wieder sehr viele (perfekt animierte) Wasser-Szenen wie in "The Way of Water" gibt. Eigentlich verbringt man viel zu wenig Zeit in der titelgebenden vulkanischen Heimat der Mangkwan. Ein Gewinn ist aber die durchgeknallte Feuerlady Varang (Oona Chaplin) mit ihrem Aschevolk, die als Bösewichtin noch ein Stück fieser und besessener daherkommt als bisher Colonel Miles Quaritch – sie scheint für die kommenden Avatar-Folgen als ultimative Antagonistin gesetzt.
Visuell ist der Film ein Brett und setzt wiederum Massstäbe! Unglaublich, wie die Farben, Formen, Perspektiven und Kamerafahrten Pandora erlebbar machen. Die HD-Renderings und die tolle 3D-Umsetzung sind technisch auf dem Zenit und garantieren fast 200 Minuten eine makellose, immersive Kinoerfahrung. Im Galopp werden wiederum die menschlichen Machtansprüche vorgeführt: Rohstoffausbeute, Umweltschutz, Kapitalismus und persönlicher Profit. Tragischerweise müssen sich sogar die Pazifisten-Wale eingestehen, dass es ohne Waffen nicht mehr geht. Erzählerisch wird es dünner, aber tricktechnisch bleibt Pandora auch in Teil 3 bahnbrechend.
Zuletzt editiert: 07.01.2026 11:15:00