Ich habe diese Doku als sehr schonungslos empfunden und zolle Haftbefehl bzw. viel mehr Aykut Anhan großen Respekt dafür, dass er sich so verletzlich, fragil, ja insbesondere im letzten Drittel der Doku geradezu "kaputt" präsentiert hat. Auch von seinem jüngeren Bruder und seiner Frau bekommt man meines Erachtens ziemlich interessante Einblicke in das Arbeits- und Privatleben bzw. in die wenig ruhmreiche Vergangenheit dieses Mannes.
Inhaltlich werden viele potenziell interessante Themen angeschnitten (Ghettoisierung einiger deutscher Städte "in der zweiten Reihe" wie Offenbach, Aufwachsen in der migrantischen Unterschicht, Schattenseiten des Show- bzw. Gangster-Rap-Games), dann aber leider oft nicht mit dem Tiefgang weitererzählt, den zumindest ich mir gewünscht hätte. Stattdessen gibt es relativ viele relativ reißerisch inszenierte nachgestellte Gewalt- und Drogenrausch-Szenen, die ich in ihrer Drastik so nicht gebraucht hätte und die dann auch immer wieder die Frage in mir haben aufkommen lassen, wie viel an der Sendung nun die Realität ist und wie viel Narrativ und Show.
Die besten Momente sind in der Tat diejenigen, in denen vordergründig fast nichts passiert: Die traurig gen Kamera blickende Frau, die erzählt, dass sie gemeinsame Urlaube mit Aykut immer auch ohne ihn plant. Der mit extrem brüchiger Stimme zu Reinhard Mey röchelnde Aykut und der abschließende Satz "Es muss echt sein.". Diese und einige andere Momente werden sehr geschmackvoll eingefangen und lassen über einige Voyeurismen hinwegsehen.
Insgesamt meines Erachtens eine sehenswerte Rapper-Doku, die nicht frei von Schwächen ist, aber einem das "Phänomen Haftbefehl" nachvollziehbar macht, vor allem aber einige interessante Einblicke in die Ambivalenzen des Aykut Anhan ermöglicht. Kann man sich gut anschauen.