Hmm... endlich habe ich den auch mal gesehen - er liess mich zwiespältig zurück.
Beginnen wir mit dem Positiven: Die Hitchcock-Referenzen sind gelungen und die Kameraperspektiven eine Augenweide. Auch die Musik hat was und ist v.a. am Anfang für einen Thriller schon fast atypisch, da sie wohlig warme Atmosphäre schafft. Aber gerade deshalb kultig.
Der Film lässt sich Zeit und kreiert mit dem Museum eine ausschweifende Szenerie, in welcher Angie Dickinson durch ihre nonverbale Mimik zur Hochform aufläuft. Der Lift-Mord ist dann in seiner Art genial, mit den Spiegeleffekten, zeigt aber im Gegensatz zu Hitchcock fast zu viel. Man hätte mit reduzierten Stilmitteln mehr Gänsehaut hingekriegt (siehe "Psycho"). Aber bei de Palma muss es immer blutig sein. Souverän insgesamt ist auch Michael Caine und die etwas spezielle Rolle von Keith Gordon.
Was mir dann nicht gefällt, ist die Tatsache, dass viele Personen einfach irrational handeln. Zum Glück fällt das dank der Stilmittel und der Spannung nicht so auf. Aber ein weiterer Dämpfer ist Nancy Allen. Sie zieht viele Szenen (zusammen mit Dennis Franz) fast eher ins Lächerliche. Sie war ja damals de Palma's Frau und er hat ihr die Rolle auf den Leib geschrieben. Obwohl sie einen Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin absahnte, kassierte sie auch gleichzeitig die Goldene Himbeere.
Im Endeffekt ist mir auch der Schluss noch etwas zu aufgesetzt. Wollte man mit der letzten Traumsequenz nochmals ein gesuchtes Horror-Highlight vor dem Abspann reinschreiben? Oder sollte das verdeutlichen, dass Liz Blake jetzt plötzlich unter Albträumen leidet (obwohl sie beim Anblick der Blonden und auch der schwarzen Gang in der U-Bahn mit ihrer Angst schauspielerisch überhaupt nicht überzeugt)?
Langer Rede, kurzer Sinn: Stylistisch top, Story eher mittel, schauspielerisch okay (mit Ausnahme von Allen), aber die inhaltliche Dichte und Glaubwürdigkeit doch etwas unausgegoren.