Ein Film, mit dessen Bewertung ich mich echt schwertue. Wir werden wieder mal zu Alien-Verstehern! Und da der Film fast durchs Band hochgelobt wurde (Film des Jahres 2026) war ich vorsichtig. "Project Hail Mary" ist definitiv nicht der neue "E.T." und unterscheidet sich auch deutlich zur Andy Weir-Verfilmung "Der Marsianer" – den Spagat zwischen Wissenschaft und Unterhaltung hatte Ridley Scott deutlich besser hinbekommen. "Project Hail Mary" dagegen hat betont zu viel Klamauk drin, welcher die Ernsthaftigkeit von astrophysischen Themen wie dem Stern Tau Ceti und den Astrophagen als ausserirdische Mikroorganismen, die den Petrowa-Stahl bilden, irgendwie ins Lächerliche ziehen. Man kann den Film in keiner Minute ernstnehmen, obwohl er das immer mal wieder vorgeben will. Er verschenkt auch sein Potenzial zur Gesellschaftskritik. Dafür ist die Story zu absurd, zu kitschig und zu albern. Ryan Gosling mit Hundedackelblick und stets perfekt gestylter Frisur hat zwar Charme und Sandra Hüller als unterkühlte Projektleiterin scheint in Hollywood-Hochform zu sein (demnächst an der Seite von Tom Cruise in Iñárritu's Film "Digger"). Im Kern versteht sich "Project Hail Mary" aber als Buddy-Movie mit grossen Emotionen zwischen Grace und dem Stein-Alien Rocky (nicht computergeneriert, sondern vom Puppenspieler James Ortiz gesteuert). Obwohl die beiden im All abgeschnitten von allem sind, hat diese Beziehung etwas zutiefst Menschliches. Aber: Der durchaus amüsant eingebaute Slapstick ("Grace Rocky save stars") ist mir letztlich zu platt, zu nervös und zu lächerlich dargeboten. Unterhaltsam, ja! Aber für eine gute Bewertung fehlt mir schlicht der Tiefgang. Auch die Bildsprache ist auf ein schnell abgehaktes, einfaches und oberflächliches Komödiantentum getrimmt und sucht seine Verwandten eher bei Science Humor als bei Science Fiction. Der Film ist auch deutlich zu lang und braucht Sitzleder! Am Schluss bleibt irgendwie nicht viel übrig. Spoiler: Grace unterrichtet jetzt Steinzeit-Aliens auf dem Heimplaneten von Rocky. Naja… Immerhin ist der Musikscore noch interessant (Mercedes Sosa's "Gracias a la vida" ist nicht zu verachten).
Zuletzt editiert: 11.04.2026 13:44:00