Dieser Film hat gleich zwei bekannte Vorlagen, die allerdings beide auch schon einige Jährchen auf dem Buckel haben: H. G. Wells verfasste Ende des 19. Jahrhunderts den gleichnamigen Roman, auf der Kinoleinwand gab es bereits 1933 eine bekannte Verfilmung des Stoffes. Also da sind durchaus ein paar Jährchen vergangen, die eine qualitativ wertige Interpretation für das 21. Jahrhundert rechtfertigen, dachte ich mir und bin mit zwei Freundinnen heute ins Kino gegangen, um mir den Horrorthriller anzusehen.
Trotz des mit nicht einmal zehn Millionen US-Dollar ziemlich mickrigen Budgets finde ich, dass das mit der wertigen Interpretation alles in allem ganz gut funktioniert hat. In erster Linie aus zwei Gründen: Die aus "The Handmaid's Tale" bestens bekannte Elisabeth Moss macht eine richtig starke Figur als von ihrem unsichtbaren Mann gestalkte und von ihrem sozialen Umfeld für verrückt erklärte Cecilia, ihr nimmt man diese Rolle zu jeder Zeit ab - was umso wichtiger ist, da der restliche Cast eher Dienst nach Vorschrift schiebt und mitunter doch sehr generisch wirkt. Und die Kameraarbeit empfinde ich für einen solch kostengünstigen Streifen als bockstark, denn es gibt vor allem in der ersten Filmhälfte einige wunderbare Einstellungen, in der wenig Handlung so gekonnt inszeniert wird, dass man gebannt den Atem anhält. Richtig, richtig gut, ich war nach der ersten Hälfte höchst angetan bis begeistert, mit wie viel Gespür und Ruhe man den Psychoterror erzählt.
In der zweiten Hälfte kommt der Film da leider nicht mehr ran und verliert sich ein bisschen in der visuellen und inszenatorischen Beliebigkeit, überschlägt sich partiell mit übertrieben dargestellten Actionszenen und weiß einfach nicht mehr so recht, wie man die subtil bedrohliche Stimmung aufrecht erhalten kann, wenn Mr. Invisible zum Schlachtfest ausholt. Hier häufen sich die Vorhersehbarkeiten, die hölzernen Dialoge und die unrealistischen Momente - schade. Das eigentliche Ende fand ich dann aber wieder gang in Ordnung.
Somit ist "Der Unsichtbare" für mich unterm Strich ein gelungener Film, der letztlich das aus seinen Möglichkeiten rausholt, was realistisch erwartbar war. Der Anfang zeigt, dass mehr hätte drin sein können, das Ende aber auch, dass man es viel, viel schlechter hätte inszenieren können. Geht schon klar.
Gute 4 dafür.
PS: Meine beiden Freundinnen haben es übrigens etwas anders als ich wahrgenommen: Eine fand den Film insgesamt eher fad, eine ihn durchweg gut.